Ratten und Mäuse gibt es auch in Köln genug – Experten sprechen schon von einer Rattenplage. Aber das war es nicht, was die Schüler vom EvT an der weltbekannten Sage faszinierte. Vielmehr der Gedanke, dass Hunderte von Kindern gleichzeitig ihr Zuhause verlassen und damit bei den Eltern schwere Betroffenheit auslösen.

Aus dem "Rattenfänger" wurde schnell die Geschichte vom "Kinderfänger". Im Unterricht mit Deutschlehrerin Saskia Vollrath war vorab bereits die Geschichte in Anlehnung an das Theaterstück von H.-P. Tiemann bearbeitet worden. In der Projektwoche ging es dann um Kinderrechte und Kinderwirklichkeit von Hameln bis Köln.

Gestresste Eltern treffen sich nachts im Park, um Ruhe vor ihren Plagegeistern zu finden, Pädagogen planen die schülerlose Schule, Bürgermeisterin und ihre Mitarbeiter träumen von der "kinderfreien Stadt". Nach dem Exodus der kleinen Nervensägen wächst jedoch sehr schnell die Einsicht, dass man auf die "nörgelnden kleinen Monster" nicht verzichten möchte.

Eine Woche lang arbeiteten die 26 Kinder der 6b zusammen mit der Theaterpädagogin Sigrid Nüsser-Backes, unterstützt von Frau Vollrath und der Referendarin Maike Hensen, an ihrem Stück; entwickelten Szenen und entsprechende Rollen, schrieben Texte und Dialoge, studierten mit Musiklehrerin Lisa Feste-Wermann Lieder ein, malten Plakate, suchten Kostüme und Requisiten und lernten, wie man sich auf der Bühne präsentiert - wie man sich bewegt und laut und akzentuiert spricht.

Eine turbulente Woche mit viel Arbeit, Geduld üben, Stress, aber auch viel Spaß, in der jeder neue Seiten und Fähigkeiten an sich selbst entdeckte, gipfelte in zwei Aufführungen, die die zahlreichen Zuschauer mit brandendem Applaus würdigten. Und nicht erst da wurde jedem einzelnen jugendlichen Mitwirkenden die Herausforderung eines solchen Projektes klar: ohne ihn - und die konzentrierte Zusammenarbeit - wäre so ein wunderbares Stück nie zustande gekommen.

Sigrid Nüsser-Backes