Unter Mathematik, Physik, Deutsch, Geschichte kann sich jeder etwas vorstellen. Die Nützlichkeit dieser Schulfächer liegt zudem auf der Hand. Unter Philosophie können sich vermutlich nur wenige von Ihnen etwas vorstellen. Im Alltag bieten sich kaum Möglichkeiten, systematisch in philosophisches Denken einzusteigen - obwohl sich jeder Mensch schon philosophische Gedanken gemacht hat: Als Kind, vor allem aber in der Pubertät und auch in Lebenskrisen hat jeder von uns bereits die eine oder andere philosophische Fragen bedacht:

  • Was ist der Sinn des Lebens? Was ist der Mensch, und was ist menschenwürdig?
  • Welche Werte und Normen (Richtlinien) sollen mein Handeln bestimmen?
  • Wie sollte ein Staat beschaffen sein? Was ist Selbstbestimmung, was Gerechtigkeit, was Freiheit?
  • Was kann der Mensch erkennen? Was ist Wirklichkeit, was Wahrheit?
  • Was ist Wissenschaft, was soll und was darf sie?

Solche grundsätzlichen Fragen - die in den Einzelwissenschaften und den ihnen entsprechenden Schulfächern kaum bedacht werden und für die in einem Leben unter dem Diktat von Nützlichkeitserwägungen häufig keine Zeit zur Verfügung steht – solche Fragen systematisch zu stellen und mit Hilfe der Vernunft zu bedenken, das ist die Aufgabe der Philosophie.
Natürlich gibt es in der über 2000jährigen Tradition europäischer Philosophie auch Antworten, historische Antworten, die wir durch die Lektüre von Werken großer Philosophen kennenlernen. Sie provozieren ihrerseits aber wieder neue Fragen. Philosophie ist somit zunächst einmal kein Fach, sondern eine Geisteshaltung, und zwar eine sehr unbequeme und lästige! Und das ist die Philosophie, die "Liebe zur Weisheit", so die wörtliche Übersetzung des Wortes, schon von Anfang an gewesen.
In den Mittelpunkt ihrer Arbeit rückt die Philosophie also Fragen: beharrliches, kritisches, radikales (an die Wurzeln gehendes) Fragen. Sich nicht mit der Oberfläche abfinden können oder wollen, das ist somit die wesentliche Voraussetzung für Menschen, die sich mit Philosophie beschäftigen und selbst philosophieren wollen.

Was will der Philosophieunterricht?

Aber - kann man aus einer prinzipiellen Geisteshaltung ein Fach in der Schule machen? Man muss es versuchen. Denn - alles in Frage zu stellen, ist schnell getan. Das philosophische Fragen hingegen will, auch wenn es nicht auf endgültige Antworten zielt, doch eine vernünftige Klärung erreichen - und sei es nur, dass die Grenzen dessen, was der Mensch erkennen kann, ausgeleuchtet werden.
Allein mit intellektueller Frische ist es dabei nicht getan: Denken bedarf der Erfahrung, Hier leistet die Philosophie als Fach Hilfestellung: Es vermittelt ihren umfangreichen, im Laufe einer über 2000 jährigen Geschichte gereiften Bestand an Denkerfahrung, stellt Begriffe, Ideen, Argumente vielfältiger Art zur Verfügung. In dem Gedankengänge aus der philosophischen Tradition sorgfältig nachvollzogen, aber anschließend auch kritisch diskutiert werden, bietet der Philosophieunterricht Anregungen und stellt zugleich intellektuelle Mittel zur Verfügung zum Durchdenken zentraler Fragen für das Leben des Menschen und der Menschheit.
Solide Textarbeit und freie Diskussion, die beiden Pfeiler des Philosophieunterrichts, ergänzen und bereichern einander.

Mit welchen philosophischen Fragen befassen wir uns in den Kurshalbjahren? *

Stufe 10, 1. Halbjahr: Einführungskurs – Was ist Philosophie?
Stufe 10, 2. Halbjahr: Anthropologie – Was ist der Mensch?
Stufe 11, 1. Halbjahr: Ethik – Wie soll ich handeln?
Stufe 11, 2. Halbjahr: Politische Philosophie – Wie sollen wir zusmmenleben?
Stufe 12, 1. Halbjahr: Erkenntnistheorie – Was kann ich erkennen und wie?
Stufe 12, 2. Halbjahr: Wissenschaftstheorie – Was ist Wissenschaft, was soll sie sein?

Genaue Angaben siehe auf dieser Website unter „Schulinterner Lehrplan Philosophie

In welcher Form wird das Fach Philosophie in der Oberstufe angeboten?

  • Philosphie wird als 3stündiger Grundkurs angeboten, bei entsprechender Nachfrage auch als Leistungskurs.
  • Philosophie ist dem gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld zugeordnet.
  • Philosophie ist Abiturfach. In diesem Fall sind Klausuren zu schreiben).
  • Philosophie ist Pflichtfach in den ersten beiden Jahrgangsstufen der Sek II (Stufe 10/EF und 11/Q 1), wenn das Fach „Religion“ (kath., ev., jüd.) in diesen beiden Jahren nicht gewählt wird. Es können auch beide Fächer gewählt werden, wenn es vom individuellen Stundenplan her möglich ist.

Hinweise:

  • Auf ihrem Wahlzettel finden Sie das Fach „Philosophie“ unter der Abkürzung „PL“.
  • Die Teilnahme am Fach „Praktische Philosophie“ in der Sek I mag zwar manchmal hilfreich sein, ist  aber keinesfalls Voraussetzung für die Wahl des Faches Philosophie in der Sek II.