Kontakt:       (0221) 221-38512 sek.evt@schulen-koeln.de

logo oben

Evaluation des Distanzlernens 2021

Liebe Eltern, liebe Schüler*innen,

wir bedanken uns herzlich für Ihre erneute Teilnahme an der Evaluation des Distanzlernens. Die Ergebnisse aus Eltern- und Schüler*innenperspektive können nun unter https://app.edkimo.com/results eingesehen werden. Nutzen Sie dazu die Feedback-Codes in der Elternmail zum Thema "Evaluation Distanzlernen". 

Pro Jahrgangsstufe haben zwischen einem Viertel und der Hälfte der Eltern teilgenommen. Die positiven Ergebnisse des letzten Schuljahres konnten reproduziert werden: Die Kommunikation von Schulleitung und Verwaltung wird weiterhin positiv bewertet und auch in den "neuen" 5. Klassen können die technischen Voraussetzungen für das Distanzlernen bereitgestellt werden. Auch die Kommunikation mit den Lehrkräften der eigenen Kinder wird über alle Stufen hinweg eher positiv bis sehr positiv bewertet. 

Aufgrund vereinzelter Beschwerden am EvT und der medialen Berichterstattung über den Distanzunterricht an deutschen Schulen wurde in der Frage nach dem Aufgabenumfang diesmal nach schriftlichen und nicht-schriftlichen Fächern differenziert. In der Erprobungsstufe ist die Rückmeldung zu den schriftlichen Fächern überwiegend positiv, wobei die der Grad der positiven Bewertung mit dem Alter der Kinder abzunehmen scheint. In Stufe 5 beurteilen 81 % der Eltern den Umfang als eher bzw. sehr positiv, in Stufe 9 immerhin noch 77 %. Abgesehen von einem ausgeglichenen Ergebnis in Stufe 8 wurden jedoch auch die nicht-schriftlichen Fächer überwiegend positiv bewertet. 
Die inoffizielle Bezeichnung "Nebenfächer" haben wir dabei bewusst vermieden, da sie eine untergeordnete Bedeutung suggeriert, die so nicht gegeben ist: In der aktuellen Krise stellen sich z.B. elementare Kenntnisse aus dem Biologieunterricht, beispielsweise zur Krankheitsübertragung oder zur Funktionsweise des Immunsystems, vielmehr als (überlebens-)wichtig heraus. Abgesehen von solchen konkreten Inhalten werden aber auch die benötigten prozessbezogenen Kompetenzen wie Wissenschaftsverständnis oder Lesekompetenz nur im Verbund vieler bzw. aller Fächer vermittelt.
Konsequenzen in Bezug auf eine Reduktion der Aufgabenmenge erscheinen für die Sekundarstufe I daher nicht angezeigt.
In der Sekundarstufe II ergeben sich hier widersprüchliche Ergebnisse, die zudem auf einer schmalen Datenbasis beruhen (24 % Beteiligung EF, 27 % Q1). Die Differenzierung zwischen schriftlichen und nicht-schriftlichen Fächern ist hier mit besonderen Problemen behaftet, da der Großteil der Fächer sowohl schriftlich als auch nicht-schriftlich belegt werden kann. In der Q1 steht ein ausgeglichenes Bild in den nicht-schriftlichen Fächern einem leicht negativen Ergebnis in der schriftlichen Fächern entgegen (56 % der Befragten beurteilen die Aufgabenmange als eher oder sehr negativ). Die Ergebnisse in der EF fallen genau umgekehrt aus. In Kombination mit einer verschwindend geringen Beteiligung der Schüler*innen erscheinen diese Ergebnisse nicht verwertbar, sodass hier kursspezifische Abfragen erfolgen sollten.

Die sehr zurückhaltende Beteiligung der Schüler*innen setzte sich auch in dieser Evaluationsrunde fort. Obwohl in der Sekundarstufe I nun jahrgangsstufenweise (vorher: klassenweise) abgefragt wurde, erreicht lediglich die Stufe 5 mit knapp einem Drittel eine Beteiligung, die eine Auswertung sinnvoll erscheinen lässt. Die evidenzbasierten (d.h. forschungsbasiert relevante Aspekte der Lernwirksamkeit abbildenden) Items zu Aspekten der kognitiven Aktivierung und konstruktiven Unterstützung wurden fast durchweg sehr positiv beurteilt. Die positiven Ergebnisse der Elternbefragung zum Umfang und Anforderungsniveau der Aufgaben sehen wir auch hier bestätigt.
Eine Diskrepanz, der wir intern nachgehen werden, ergibt sich in Bezug auf Feedback:

  • Zwei Drittel der Eltern beurteilen das Item "Mein Kind hat regelmäßig, d.h. mindestens einmal pro Woche, von seinen Lehrkräften Feedback erhalten (Lösungsvorschläge, Klassenmitteilungen, Best-Practice-Beispiele, individuelle Antworten usw.)." eher positiv oder sehr positiv.
  • Beim Schüler*innen-Item "Ich habe zu den bearbeiteten Aufgaben ein hilfreiches Feedback erhalten." fallen die Ergebnisse nur in gut der Hälfe der Fälle eher oder sehr positiv aus.

Zunächst ist anzunehmen, dass Schüler*innen nur genau dann teilgenommen haben, wenn dies ihre Eltern auch getan haben (58 Eltern vs. 35 Schüler*innen). Es ist natürlich nicht festzustellen, ob eher kritische Schüler*innen teilgenommen haben, ob die Ergebnisse repräsentativ sind oder ob ein eingeengtes Verständnis des Begriffs zugrunde liegt, da für die Schüler*innen keine Beispiele für effektives und durch die Lehrkräfte leistbares Feedback gegeben wurde. Aufgrund der prinzipiellen Bedeutung für die Lernwirksamkeit wäre natürlich eine kritischere Schüler*innenperspektive ein guter Ausgangspunkt für die Unterrichtsentwicklung (zur differenzierten Begriffsbildung und Wirksamkeit siehe z.B. Link: The power of feedback revisited: A meta-analysis of educational feedback research (Frontiers in Psychology)).
Aufgrund dieser Einschränkungen sollte die zukünftige Einbindung der Schüler*innen in derartige Evaluationen in Präsenz und obligatorisch erfolgen, um repräsentative Ergebnisse als Ausgangspunkt für Maßnahmen zu nutzen. Der Königsweg wäre aber ohnehin, wenn möglichst viele Lehrkräfte ein evidenzbasiertes Feedback-Tool für ihren eigenen Lerngruppen verwenden würden. In der Nachbesprechung der Ergebnisse mit der Lerngruppe könnten dann auch konkrete Verbesserungen vereinbart und umgesetzt werden (siehe dazu auch Link: Unterrichtsfeedback per App am EvT).

Wesentliche Kritikpunkte der letzten Evaluationsrunde wurden auch durch neue Rechtsgrundlagen aus der Welt geschafft: Durch die Gleichstellung des Distanz- und Präsenzunterrichts und die damit verbundene Leistungsbewertung ergeben sich v.a. in der Sekundarstufe I nur noch marginale Probleme in Bezug auf die Verbindlichkeit, die in etwa dem normalen Präsenzbetrieb entsprechen. 

Zudem ist es uns in der großen Mehrzahl der Fälle gelungen, regelmäßigen Videounterricht mit nahezu vollständiger Beteiligung der Schüler*innen durchzuführen. Auf diese Weise ergab sich auch im Distanzunterricht ein sinnvoller Wechsel von synchronem und asychronem Lernen. Durch den verstärkten Einsatz von Konferenztools wurden auch im Videounterricht unterschiedliche Interaktionsformen, insbesondere der für kooperatives Lernen konstituierende Dreischritt aus Einzelarbeit - Partner-/Gruppenarbeit - Austausch im Plenum möglich. 

Es zeichnet sich ab, dass der Wechselunterricht uns noch einige Zeit begleiten wird. Die über den Förderverein angeschafften Konferenzmikrofone ermöglichen uns in Verbindung mit dem neuen Breitbandanschluss, den Präsenzunterricht aus der Schule zu übertragen. Hierdurch entsteht eine nicht zu unterschätzende Zusatzbelastung für die Lehrkräfte, da sie gleichzeitig effektives Classroom Management vor Ort umsetzen und die neue Technik im Auge behalten müssen. Ein erheblicher Teil des Kollegiums hat sich aber zügig eingearbeitet und ermöglicht daheim lernenden Schüler*innen so die synchrone Teilnahme am Unterricht, anstatt ausschließlich asynchron mit Aufgaben zu lernen. Wir blicken daher zuversichtlich auf die nächsten Wochen und Monate, freuen uns aber v.a. auch darauf, in nicht allzu ferner Zukunft wieder alle Schüler*innen im Präsenzbetrieb beschulen zu können.

Dr. B. Zerweck

Dr. L. Becker , Dr. D. Wieczorek (für die Arbeitsgruppe "Distanzlernen")